- Persönlich

K

Lernen von Philippus


„Verstehst du auch, was du liest?.“

Apostelgeschichte 8,30b

 

Ein Weg irgendwo südlich von Jerusalem. Weit und breit ist nur Wüste zu sehen. Die Sonne brennt vom Himmel herab. Eine Ödnis. Doch da: ein Mann geht die Straße entlang. Es scheint, als wenn er nicht genau weiß, was er hier tun soll. Langsam setzt er einen Fuß vor den anderen. Dieser Mann ist der Diakon Philippus.

Er ist in Gottes Auftrag unterwegs. Seine Mission: die Straße entlanggehen. Vorher war Philippus in Samaria tätig gewesen. Dort hat er den Menschen von Gottes Liebe und von Jesus Christus erzählt. Viele sind durch ihn zum Glauben gekommen. Und nun liegt vor ihm ein Weg ohne Menschen. Aber nicht mehr lange – er sieht einen Wagen näherkommen. Darauf sitzt ein hoher Beamter der Königin von Äthiopien. Er war in Jerusalem gewesen, um dort Gott zu suchen. Doch er fand nur eine Schriftrolle des Propheten Jesaja. Beim Fahren liest er die Rolle vor:
»Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Lamm, das vor seinem Scherer verstummt, so tut er seinen Mund nicht auf. In seiner Erniedrigung wurde sein Urteil aufgehoben. Wer kann seine Nachkommen aufzählen? Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen.«

Philippus erkennt seine Chance: „Verstehst du auch, was du liest?“ – „Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet?“ Der Beamte bittet Philippus zu sich auf den Wagen. Der Diakon soll ihm die Schriftrolle erklären. Der tut das gerne und nicht nur das: Er erklärt ihm direkt die ganze Gute Nachricht von Jesus Christus. Von Jesus, der freiwillig ans Kreuz ging – wie ein Schaf, das geschlachtet wird –, damit den Menschen Sünde und Schuld vergeben werden kann und sie wieder Frieden mit Gott haben können.

Der Beamte erkennt: Das hat auch mit mir zu tun. Wie praktisch, dass gerade eine Wasserstelle kommt. Philippus tauft den Beamten. Der hat jetzt Gott wirklich gefunden – nicht dort, wo er ihn gesucht hatte, dafür mit Hilfe eines Menschen, der ihm die Schriftrolle erklärt hatte.

Diese Geschichte steht in Apostelgeschichte 8,26-40. Sie hat vieles, das mich beeindruckt: Philippus und der Beamte mit ihren unterschiedlichen Lebens-geschichten, einen ungewöhnlichen und scheinbar unlogischen Auftrag von Gott und ein Happy End. Was können wir aus dieser Erzählung vom „Kämmerer aus Äthiopien“ lernen? Lasst uns ein Beispiel an Philippus nehmen.

Er ging dort hin, wo Gott ihn haben wollte – auch, wenn das menschlich gesehen töricht aussah. Vielleicht bekommen wir von jemanden aus der Gemeinde gesagt „Du könntest prima in [..] mitarbeiten“, oder beim Bibellesen oder Beten kommen Bilder in den Kopf: „Ich könnte bei [..] mithelfen“. Auf dem ersten Blick sehen solche Gedanken vielleicht merkwürdig aus, doch sie können Hinweise darauf sein, wo Gott uns haben möchte.

Dann war Philippus bereit, von Jesus zu erzählen. Er nutzte die Gelegenheit und unterhielt sich mit einem fremden Mann über den Glauben. Können wir das heute auch? Auf jeden Fall gehört ziemlich viel Mut dazu. Ich behaupte: Diesen Mut kann man „lernen“ und „trainieren“. Ganz einfach, indem man erst mal vertrauten Menschen eine Geschichte aus der Bibel erzählt, zum Beispiel den eigenen Kindern, Enkeln oder Neffen und Nichten, oder Freunden oder Nachbarn ... Dadurch bekommt man Übung und somit auch Sicherheit und den „Weiter-erzählen-Mut“. Selbst Philippus hatte so ein „Trainingsprogramm“ durchlaufen: erst in der vertrauten Heimatgemeinde, später vor vielen Leuten im Nachbarland und zum Schluss hatte er das persönliche Gespräch mit dem ausländischen Beamten.

Eine weitere wichtige Sache: Offensichtlich muss die Bibel ausgelegt werden. Deshalb gibt es Andachten, Bibelgesprächskreise und Predigten in den Gottesdiensten: damit die Bibel, Gottes Wort, erklärt wird und sie jeder verstehen kann. Philippus' Erklärung führte sogar dazu, dass ein Mensch Gott gefunden hat.

Ich wünsche uns, dass wir in dieser Sommerzeit viele Gelegenheiten haben, herauszufinden, wo Gott uns haben möchte, zu lernen, wie man über den Glauben redet, und die Bibel erklärt zu bekommen oder sogar selbst zu erklären.


Dir/Ihnen Gottes Segen dazu!
Katharina Würden-Templin (Redaktion)


 

 
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