- Persönlich

K

Glück und Gram


Jesus spricht:
„Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“    

Matthäus 6, 31-32

 

Das sind überaus spannende Kapitel in der Bibel: Im Matthäusevangelium, Kapitel 5–7 steht die sogenannte „Bergpredigt“ Jesu. Die beginnt mit den Seligpreisungen. Jesus sagt hier, dass der glücklich ist, der nach Gerechtigkeit und Frieden strebt und der barmherzig oder sanftmütig ist – und noch vieles mehr. Man kann davon ausgehen, dass die Zuhörerinnen und Zuhörer Jesu Menschen waren, die kämpfen mussten. Sie kannten Hunger. Existenzsorgen waren ihnen vertraut. Kann man in so einem Alltag glücklich sein?

„Ja“, sagt Jesus. „Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden!“ Jesus wirbt um Vertrauen: Da ist ein Gott, der um uns weiß und der alles zum Guten wenden kann. „Darum sollt ihr euch nicht sorgen, denn euer himmlischer Vater weiß doch, was ihr braucht.“

Gegen Sorgen kann man wenig ausrichten. Aber es ist nicht gut, sich zu grämen. Manchmal kann man da in eine Dunkelheit abrutschen, in der die Gedanken nur noch darum kreisen, was alles Schlimmes geschehen könnte. Man sieht das Licht am Ende des Tunnels nicht mehr, da ist nur noch Dunkelheit. Doch Jesus weist auf das Licht hin. Das ist da, egal wie man sich fühlt.

Jesus gibt in der Bergpredigt noch einen wichtigen Hinweis: „Schaut auf die Vögel unter dem Himmel. Und auf die Blumen. Gott sorgt für sie.“ Bald wird es Frühling. Es tut der Seele gut, zu schauen, wie die ersten Blüten durch den Boden brechen und wie die Natur von einem ersten grünen Schimmer überzogen wird. Jeden Tag gibt es ein weiteres Aufblühen und Ergrünen. Es kann sehr unterhaltsam sein, die Vögel im Garten oder im Wald bei ihrem Spiel zu beobachten.

Wer das hinbekommt, sich ganz hineinzubegeben in das Leben um einen herum, der spürt rasch eine heilende Wirkung. Glück findet man in der Gegenwart. Und die Hoffnung ist der Vorbote des Glücks.

Da kann dann noch mehr geschehen. Im Hier und Jetzt kann aus dem schwachen Licht am Ende des Tunnels ein immer kräftiger werdendes, wärmendes Leuchten werden, das Leib und Seele durchflutet. Selbst die umgebenden Schatten wirken sanft und bergend.

Ich rede von der Nähe Gottes, von dem Wirken seines Geistes. Die Gegenwart ist der Ort dieser Gottesbegegnung. Und wo zuvor Sorgen quälend und kraftraubend kreisten, empfinde ich tief in meinem Inneren Glück.

Die Vergangenheit ist eine Kette von Verletzungen, schönen Erinnerungen und mancherlei Prägungen. Sie ist der Ort, an dem Gott sich uns Menschen bekannt gemacht hat in Jesus Christus als der, der die Liebe ist. Der gekreuzigte und auferstandene Jesus ist die Navigationshilfe, die mir den Weg zu Gott zeigt. Und den erfahre ich im Gegenwärtigen. Die Vergangenheit kann ich in seine Hand legen und so Vergebung und neue Kraft erfahren. Und die Zukunft ist sowieso sein Land, sein Reich das Ziel aller Zeiten.

Und so sagt Jesus schließlich: „Strebt zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit!“ Da geht es zunächst darum, Gott gerecht zu werden, indem ich seine Liebe annehme. Und es geht darum, den Menschen neben mir, die oft so anders sind als ich und die manchmal ganz anders empfinden, gerecht zu werden. Wer sich dauerhaft grämt, der bleibt leicht im dunklen Tunnel stecken, ohne das Licht wahrzunehmen, das doch da ist. Wer dagegen aus sich herausgeht und sein Leben auf Gott und den Nächsten ausrichtet, der kann Glück erfahren. Und dann ist Gottes Reich manchmal ganz gegenwärtig – mitten unter uns.


Herzliche Grüße,
Hans-Jürgen Volk (Pfarrer)


 

 
Evang. Kirchengemeinde Hilgenroth | Kirchstr. 3-5 | 57612 Eichelhardt | Tel. 02681-1720 | Info@kgm-hilgenroth.de | Datenschutzerklärung


ZURÜCK     DRUCKEN    SEITENANFANG