- Persönlich

K

Weihnachten: Gottes Zuwendung

„Denn in Jesus Christus wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaft.“       

Kolosser 2,9

 

Natürlich ist es erst einmal Glaubenssache: Wir feiern Weihnachten, weil Gott in diesem Kind Jesus zur Welt kommt. Und bereits in dem Säugling ist Gott in seiner ganzen Fülle gegenwärtig. Bereits in diesem hilflosen Kind macht sich Gott uns Menschen bekannt. Gott wendet sich in einer kaum zu begreifenden Radikalität uns Menschen zu. Er macht sich verletzbar. Dafür steht die Krippe als erster Schlafplatz des Säuglings, dafür steht später das Kreuz. Wie gesagt, das alles ist Glaubenssache.

Doch jenseits des Glaubens gibt es historische Fakten. Schon damals war die Region am östlichen Mittelmeer ein Pulverfass. Erst wenige Jahrzehnte vor der Geburt Jesu hatten die Römer dieses Gebiet erobert. Im Osten lag das mächtige Reich der Parther, dass Druck auf Rom ausübte. Schon damals führte religiöser Fanatismus zu Gewalt. In Judäa und Galiläa war es die Aufstandsbewegung der Zeloten, die mit einem brutalen Guerillakrieg der römischen Besatzung Widerstand entgegensetzten. Sie waren der Überzeugung, durch den entschlossen Kampf gegen die fremden Einflüsse der Griechen und Römer dem Reich Gottes und der Ankunft des Messias den Weg bereiten zu können. Die Römer reagierten darauf mit Härte und Grausamkeit. Vor allem die Zivilbevölkerung litt unter den römischen Gegenschlägen.

Die Bibel erzählt, wie in dieser unfreundlichen Umgebung in einem Stall in Bethlehem ein Kind geboren wird. Die jungen Eltern sind noch nicht einmal verheiratet, der Mann ist ein kleiner Handwerker aus Galiläa. Die ersten Besucher sind Hirten, die am Rand der damaligen Gesellschaft lebten. Später nimmt auch der König Herodes Notiz von der Geburt. Er ist eine Marionette der Römer. Und er ist beunruhigt, weil ihm Gelehrte aus dem Osten die Geburt eines Königs angekündigt haben. Um den potentiellen Konkurrenten auszuschalten, lässt Herodes sicherheitshalber alle männlichen Säuglinge in Bethlehem umbringen. Die junge Familie mit dem Neugeborenen konnte rechtzeitig nach Ägypten flüchten. Es ist keine erbauliche Geschichte, die die Bibel erzählt. Und dennoch berührt sie Menschen bis heute.

Wenn ein Kind zur Welt kommt, berührt einen das. Und wenn mich zum Beispiel bei einem Taufgottesdienst so ein Kind anstrahlt, dann bewegt dies mein Herz. Ein Kind ist verletzlich, es braucht die Fürsorge und den Schutz der Erwachsenen. Es steht für Zukunft.

In diesem Kind von Bethlehem ist Gott in seiner ganzen Fülle gegenwärtig. Das ist Glaubenssache, gewiss. Doch wer so glaubt, wer sich auf diese weihnachtliche Gottesbegegnung einlässt, der erfährt Gott auf neue Weise. Der begegnet Gott, der sich in die Not hineinbegibt, das Leid und die Armut von  uns Menschen. Zwischen Krippe und Kreuz zeigt sich der Gott, der die Liebe ist. „Denn in Jesus Christus wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaft.

Manche sehnen sich nach einem Gott, der mit autoritärer Geste eingreift und der der tödlichen Gewalt ferngelenkter Drohnen und sprengstoffbeladener Automobile seine göttliche Gegengewalt entgegensetzt. Doch diese Sehnsucht ist gefährlich, weil sie Menschen verleitet, selbst in diesem Sinne aktiv zu werden. Paulus hält dem entgegen: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Und Jesus selbst sagt: „Liebet eure Feinde, tut wohl denen, die euch hassen.“ Das Kind von Bethlehem gibt die Richtung vor. Durch Gewalt und Krieg ist es noch niemals gelungen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Vielmehr entsteht durch Hass, Terror und Krieg allzu oft die Hölle auf Erden.

Ja gewiss, in der Nähe Jesu können Wunder geschehen. Da wird aus einem geldgierigen Zöllner ein Mensch, der sein soziales Gewissen entdeckt. Da wird der eine oder andere Kranke an Leib und Seele gesund. Da wird trotz Mangel Hunger gestillt. Wunder sind jedoch nicht alltäglich. Wunder sind Zeichen, dass Gott seine Welt anders möchte. Ein neuer Himmel und eine neue Erde ohne Krieg und Leid und Tod. Sein Reiche komme!   

Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden!“ – Das sangen die Engel, die den Hirten die Botschaft von der Geburt dieses besonderen Kindes nahe brachten. Wer sich von Gott berühren lässt, wer ihm die Ehre gibt, der wird nach Frieden streben. Er wird Gottes Geschöpf und Kind auch im Widersacher und Feind erkennen. Er wird im Streit nach Brücken der Verständigung suchen. Er wird durch die göttliche Berührung Liebe erfahren, die ihn verändert.

Ein frohes Weihnachtsfest wünscht
Hans-Jürgen Volk (Pfarrer)


 

 
EVANGELISCHE KIRCHENGEMEINDE HILGENROTH | KIRCHSTR. 3-5 | 57612 EICHELHARDT | TEL. 02681-1720 | INFO@KGM-HILGENROTH.DE


Zurck ZURÜCK     Empfehlen WEITERSAGEN     drucken DRUCKEN    Seitenanfang SEITENANFANG