- Persönlich

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Schwarz auf Weiß – „Sola scriptura“

„Denn was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch
Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben.“       

(Paulus in Römer 15,4)

 

 Vielleicht kennen Sie das Sprichwort:
„Was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen.“
Dahinter steckt die alte Erfahrung, dass ein schriftliches Dokument einen höheren Grad an Verbindlichkeit besitzt als das gesprochene Wort. Gewiss, wenn mir ein guter Freund „sein Wort“ gibt, kann ich mich in der Regel darauf verlassen. Eine höhere Sicherheit gibt es z.B. durch einen schriftlichen Vertrag, der möglichweise auch noch notariell beglaubigt ist.
Klarheit schaffen der Arbeitsvertrag, die Patientenverfügung oder das ausformulierte Testament.
Im Jahr des Reformationsjubiläums versuchen wir, den vier reformatorischen Grundanliegen und ihrer Bedeutung für unsere Zeit  nachzugehen:
Allein die Gnade – „sola gratia“, darum ging es im letzten Gemeindebrief. Allein der Glaube – „sola fide“ und allein Christus - „solus christus“, darum wird es in den kommenden Ausgaben gehen. Grundlage der Argumentation Luthers gegen die Amtskirche seiner Zeit war jedoch das Wort der Schrift - sola scriptura.
Welchen Stellenwert die Bibel für Luther hatte, wird deutlich durch seinen Auftritt auf dem Wormser Reichstag 1521. Luther  widersetzte sich damals dem autoritären Ansinnen der Kirche auf Widerruf seiner Positionen.

Er sagte: „…wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt werde; denn weder dem Papst noch  den Konzilien allein glaube ich, da es feststeht, dass sie öfter geirrt und sich selbst widersprochen haben, so bin ich durch  die Stellen der heiligen Schrift, die ich angeführt habe, überwunden in meinem Gewissen und gefangen in dem Worte Gottes.  Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe  mir,  Amen!“

Trotz des Netzwerks an Unterstützern, zu dem eine Reihe von einflussreichen Landesfürsten gehörte, offenbart diese Haltung Mut. Ein einzelner Theologe stellt sich der mächtigen Kirche entgegen, die in der damaligen Zeit wenig Skrupel hat,  vermeintliche oder tatsächliche Widersacher auf demütigende und schmerzhafte Weise ins Jenseits zu befördern. Ein Anliegen Luthers war es, dass jeder einzelne Christ und jede einzelne Christin Zugang zum Bibelwort hat. Deswegen übersetzte er die Heilige Schrift ins Deutsche. Nicht der Papst oder der Bischof haben das letzte Wort über Kirche und Glauben, sondern die Bibel in der Hand des einzelnen Christen. Luther ging es bereits im 16. Jahrhundert um mündige Menschen.

Die Bibel ist in weiten Teilen allerdings anspruchsvolle Literatur. Die ältesten Texte entstanden ver-mutlich vor gut 3.000 Jahren, wobei manche Erzählungen bereits viel früher überliefert worden sind. Etwa um 100 nach Christus lagen die meisten Schriften des Neuen Testaments vor. Da ist es erstaunlich, dass die biblischen Texte so etwas wie einen roten Faden, eine Mitte haben: Jesus Christus. Von Jesus Christus her erschließt sich die Schrift. In ihm wird deutlich was wir im 1. Johannesbrief 4,16 lesen: „Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“
Die Bibel kann Orientierung, Halt und Hoffnung geben. Paulus drückt es so aus: „Denn was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben.“ Dies kann vor allem auch dann geschehen, wenn wir uns im Gespräch über einen Bibeltext miteinander austauschen. Im Bibelkreis unserer Kirchengemeinde kann man dies regelmäßig erleben. Erst wird der Text vorgelesen. Dann gibt es ein paar Informationen zum Text vom Pfarrer. Jeder äußert seine Fragen und Gedanken. Das Gespräch ist oft die Voraussetzung, um zu verstehen und die Erfahrung zu machen, wie Texte der Bibel mit erstaunlicher Aktualität in unsere Zeit hinein sprechen. Hierbei geht es nicht darum, ein für allemal festzuzurren, was denn nun mit einer bestimmten Bibelstelle gemeint sei. Da haben wir auch im Bibelkreis oft unterschiedliche Ansichten - und dies ist gut so. Es geht darum, mit den Texten zu leben und sich von ihnen ermutigen und korrigieren zu lassen.
Die Reformation ist durch die zentralen Aussagen der Bibel vor-angetrieben worden: Christus, Glaube und Gnade. Die Mitte der Bibel ist das Evangelium von Jesus Christus, in dem die umfassende Liebe Gottes sichtbar wird, die jedem und jeder von uns gilt. Dies steht fest, wir haben es schwarz auf weiß.

 

Herzliche Grüße,
Hans-Jürgen Volk (Pfarrer)


 

 
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